Bitumenschindeln: Kosten, Verlegung & Lebensdauer im Überblick

Bitumenschindeln – oft auch schlicht Dachschindeln genannt – sind eine günstige, leichte und selbst zu verlegende Dacheindeckung. Auf großen Wohnhausdächern spielen sie kaum eine Rolle, dafür sind sie die erste Wahl für Gartenhaus, Carport, Vordach, Gauben oder kleine Anbauten. Dieser Ratgeber erklärt, wie Bitumenschindeln aufgebaut sind, für welche Dächer sie taugen, was sie ungefähr kosten und worauf es bei der Verlegung ankommt.

Was sind Bitumenschindeln?

Eine Bitumenschindel besteht im Kern aus einem stabilen Glasvlies, das beidseitig mit Bitumen getränkt und beschichtet ist. Die Oberseite trägt eine farbige mineralische Bestreuung (Splitt oder Granulat), die vor UV-Strahlung schützt und die Optik bestimmt. Auf der Unterseite sorgt ein selbstklebender Streifen oder eine Klebefläche dafür, dass sich die Schindeln nach dem Verlegen unter Sonneneinstrahlung miteinander verbinden und so eine dichte, windsichere Fläche bilden.

Geliefert werden meist rechteckige Streifen mit mehreren angedeuteten Einzelschindeln. Beliebte Formen der sichtbaren Kante sind das klassische Rechteck, der abgerundete Biberschwanz, die Wabe (Sechseck) sowie Rhombus- oder Dreiecksformen. Die Formenvielfalt und die vielen Farben (von Ziegelrot über Anthrazit bis Grün) sind ein großer Vorteil des Materials.

Für welche Dächer eignen sich Bitumenschindeln?

Bitumenschindeln spielen ihre Stärken auf kleineren Nebendächern aus:

Entscheidend ist die Dachneigung: Viele Hersteller geben eine Mindestneigung im Bereich von etwa 15 bis 20 Grad an, bei geringerer Neigung sind besondere Zusatzmaßnahmen (z. B. eine vollflächig verklebte Unterlage) nötig. Die genaue Vorgabe steht immer im Datenblatt des jeweiligen Produkts – prüfen Sie diese vor dem Kauf. Für echte Flachdächer und für große, repräsentative Wohnhausdächer sind Bitumenschindeln in der Regel nicht die richtige Lösung; dort kommen abgedichtete Flachdachbahnen bzw. Ziegel, Betonsteine oder Metall zum Einsatz.

Der richtige Untergrund

Bitumenschindeln brauchen einen tragfähigen, geschlossenen Untergrund – anders als Dachziegel, die auf Lattung sitzen. Üblich ist eine durchgehende Holzschalung aus Brettern oder eine Verlegeplatte (z. B. OSB oder wasserfest verleimtes Sperrholz). Auf diesen Untergrund gehört zwingend eine Unterlagsbahn (Bitumen-Trennlage oder selbstklebende Bahn). Sie ist die zweite wasserführende Ebene und schützt die Konstruktion, falls doch einmal Feuchtigkeit unter die Schindeln gelangt.

Damit kein Kondenswasser das Holz schädigt, sollte das Dach als belüftetes Kaltdach ausgeführt sein: Ein Luftspalt zwischen Dämmung/Konstruktion und Schalung mit Zu- und Abluft (Traufe und First) hält die Holzunterkonstruktion trocken.

Bitumenschindeln verlegen – Schritt für Schritt

Die Montage ist auch für handwerklich geübte Heimwerker machbar. Grundsätzlich gilt:

Wichtig: Nicht bei Frost verlegen und die Schindeln vor der Montage nicht knicken. Bei größeren oder steilen Flächen und dort, wo Gewährleistung gefragt ist, sollte ein Dachdeckerbetrieb übernehmen.

Was kosten Bitumenschindeln?

Bitumenschindeln zählen zu den günstigsten Dacheindeckungen. Das Material bewegt sich – je nach Form, Qualität und Beschichtung – im niedrigen einstelligen bis unteren zweistelligen Euro-Bereich pro Quadratmeter. Hinzu kommen Unterlagsbahn, Schalung, Nägel und ggf. Kleber. Weil viele Bauherren selbst verlegen, entfallen oft die Lohnkosten – beim Fachbetrieb kommen sie hinzu und hängen stark von Dachgröße, Zuschnitten und Zugänglichkeit ab.

Konkrete Preise schwanken je nach Region, Hersteller und Marktlage stark. Betrachten Sie die genannten Größenordnungen daher nur als grobe Orientierung und holen Sie für Ihr Projekt aktuelle Angebote bzw. Materialpreise ein.

Lebensdauer, Vor- und Nachteile

Die Haltbarkeit von Bitumenschindeln liegt – je nach Qualität, Ausrichtung, Sonneneinstrahlung und Belüftung – meist in der Größenordnung von rund 20 bis 30 Jahren. Damit halten sie deutlich kürzer als Tondachziegel oder Schiefer, dafür sind sie beim Anschaffungspreis unschlagbar günstig.

Vorteile:

Nachteile:

Typische Fehler vermeiden

Die häufigsten Ursachen für undichte Schindeldächer sind eine zu geringe Dachneigung, eine fehlende oder schlecht verlegte Unterlagsbahn und das Verkleben bei zu kalter Witterung. Wer auf einen sauberen, belüfteten Untergrund achtet, die Herstellervorgaben zu Neigung und Befestigung einhält und im Verband verlegt, bekommt eine langlebige, dichte Eindeckung – besonders für Gartenhaus, Carport und kleine Dachflächen eine solide und preiswerte Wahl.

Auch nützlich: Ratgeber: Windsogsicherung

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