Dachneigung berechnen: Formel, Mindestneigung & Werte

Ob Sie das Dach neu decken, eine Gaube planen oder eine Solaranlage montieren wollen: Die Dachneigung ist eine der wichtigsten Kennzahlen Ihres Daches. Sie entscheidet mit, welches Deckmaterial überhaupt zugelassen ist, wie gut Regen abläuft und ob sich der Dachraum ausbauen lässt. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie die Dachneigung berechnen, worin sich Grad und Prozent unterscheiden und welche Neigungen für welche Materialien sinnvoll sind.

Was ist die Dachneigung?

Die Dachneigung beschreibt den Winkel, in dem die Dachfläche gegenüber der Waagerechten geneigt ist. Sie wird auf zwei Arten angegeben:

Wichtig: Grad und Prozent sind nicht dasselbe. Eine Neigung von 100 % entspricht 45°, nicht etwa „100 Grad“. Wer beides verwechselt, plant schnell mit völlig falschen Werten.

Dachneigung berechnen: Formel und Beispiel

Für die Berechnung brauchen Sie zwei Maße: die Höhe (Höhenunterschied zwischen First bzw. oberer und unterer Kante der Dachfläche) und die zugehörige waagerechte Länge (die horizontale Grundstrecke unter dieser Dachfläche). Bei einem symmetrischen Satteldach ist die waagerechte Länge die halbe Gebäudebreite.

Dachneigung in Grad

Der Winkel ergibt sich über den Tangens:

Beispiel: Das Dach steigt auf 4 m waagerechter Länge um 2 m an. 2 ÷ 4 = 0,5. Der arctan von 0,5 beträgt rund 26,6°. Den arctan-Wert liefert jeder wissenschaftliche Taschenrechner oder die Rechner-App am Smartphone (Taste „tan⁻¹“ bzw. „atan“).

Dachneigung in Prozent

Im selben Beispiel: (2 ÷ 4) × 100 = 50 %. Dieselbe Dachfläche hat also 26,6° bzw. 50 % – ein gutes Beispiel dafür, warum die Einheit immer dazugehört.

Ohne Rechnen: die Neigung messen

Sie müssen nicht zwingend rechnen. Die Neigung lässt sich auch direkt ermitteln:

Messen Sie nie ungesichert auf dem Dach. Im Zweifel bestimmt der Dachdecker die Neigung im Zuge eines Vor-Ort-Termins.

Mindest- und Regeldachneigung nach Deckmaterial

Jedes Deckmaterial hat eine sogenannte Regeldachneigung (RDN) – die vom Deutschen Dachdeckerhandwerk (ZVDH) in den Fachregeln festgelegte Mindestneigung, bis zu der ein Material ohne besondere Zusatzmaßnahmen als regensicher gilt. Die folgenden Werte sind grobe Orientierungswerte; die exakte Zahl hängt vom konkreten Produkt und den Herstellerangaben ab:

Liegt Ihre tatsächliche Neigung unter der Regeldachneigung des gewünschten Materials, ist das nicht automatisch ausgeschlossen – es gilt dann als „erhöhte Anforderung“ und verlangt zusätzliche Maßnahmen, etwa eine regensichere Unterdeckung oder ein wasserdichtes Unterdach, bei Flachdächern verklebte oder verschweißte Bahnen. Das erhöht Aufwand und Kosten. Prüfen Sie die zulässigen Werte deshalb immer anhand der aktuellen ZVDH-Fachregeln und der Herstellerangaben.

Welche Dachneigung ist sinnvoll?

Eine „optimale“ Neigung gibt es nicht pauschal – sie hängt vom Ziel ab:

Häufige Fehler

Fazit

Die Dachneigung berechnen Sie mit zwei Maßen und einer einfachen Formel: In Grad über den arctan von Höhe geteilt durch waagerechte Länge, in Prozent über Höhe geteilt durch Länge mal 100. Entscheidend ist, dass Neigung und geplantes Deckmaterial zusammenpassen. Da die zulässigen Werte je nach Produkt variieren und Unterschreitungen besondere Maßnahmen erfordern, sollten Sie die konkrete Neigung und die passende Eindeckung im Zweifel von einem Dachdeckerbetrieb prüfen lassen.

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