Schornstein abdichten: Kaminverblechung, Kosten & Ablauf
Der Übergang zwischen Schornstein und Dach ist eine der häufigsten Leckstellen am ganzen Haus. Genau dort, wo das gemauerte Bauteil die Dachfläche durchstößt, treffen zwei unterschiedliche Materialien aufeinander – und beide arbeiten bei Temperaturwechseln unterschiedlich. Wird der Anschluss nicht sauber ausgeführt oder altert die Einfassung, dringt Regenwasser ein und zeigt sich oft erst Monate später als Feuchtfleck auf dem Dachboden. Dieser Ratgeber erklärt, wo der Schornstein undicht wird, wie man ihn richtig abdichtet und mit welchen Kosten Sie ungefähr rechnen sollten.
Wo der Schornstein am Dach undicht wird
Ein undichter Kamin hat meist eine von drei Ursachen:
- Der Dach-Wand-Anschluss (Einfassung): Rund um den Schornstein muss die Dachdeckung wasserdicht an das Mauerwerk angeschlossen werden. Diese Verblechung ist die klassische Schwachstelle – besonders auf der bergseitigen (oberen) Seite, wo Regenwasser abläuft.
- Der Schornsteinkopf selbst: Ausgewaschene Fugen, rissiger Putz oder eine fehlende bzw. beschädigte Abdeckplatte lassen Wasser direkt ins Mauerwerk laufen.
- Alterung der Materialien: Altes Blech kann korrodieren, Dichtstoffe werden spröde, und mit Silikon „nachgebesserte“ Anschlüsse reißen mit der Zeit auf.
Die Kaminverblechung: So wird der Anschluss dicht
Eine fachgerechte Kamineinfassung besteht nicht aus einem Streifen Dichtmasse, sondern aus mehreren aufeinander abgestimmten Blechen, die das Wasser gezielt auf die Dachfläche zurückführen:
- Seitliche Anschlussbleche: Sie werden mit der Dacheindeckung verfalzt und leiten seitlich ablaufendes Wasser ab.
- Kehl- oder Rückblech (bergseitig): Oberhalb des Schornsteins wird das Wasser über eine Kehle seitlich um den Kamin herumgeführt, damit es sich nicht davor staut. Diese Stelle ist entscheidend – hier entstehen die meisten Schäden.
- Schürze (talseitig): Unterhalb des Kamins deckt ein Blech den Übergang zur Dachfläche ab.
- Kappleiste / Wandanschlussprofil: Die Oberkante des Blechs wird in einen Mauerschlitz oder eine Fuge eingeführt und verpresst, damit kein Wasser dahinter läuft.
Welches Material passt?
Üblich sind Blei, Titanzink, Aluminium, Edelstahl und Kupfer. Blei lässt sich gut an unebenes Mauerwerk andrücken und ist deshalb bei der Einfassung beliebt. Wichtig ist vor allem eine Regel: Verwenden Sie nur zueinander passende Metalle. Werden unverträgliche Metalle direkt kombiniert – etwa Kupfer über Zink – kann es zu Kontaktkorrosion kommen, die das Blech vorzeitig zerstört. Im Zweifel entscheidet der Dachdecker anhand von Eindeckung und Regenwasserführung, welches Material sinnvoll ist.
Den Schornsteinkopf abdichten
Ist nicht die Einfassung, sondern der freistehende Teil über dem Dach das Problem, geht es um andere Maßnahmen:
- Fugen erneuern: Ausgewaschene Mörtelfugen im Mauerwerk werden ausgekratzt und neu verfugt.
- Putz und Risse: Ein verputzter Kopf lässt sich ausbessern; bei großflächigen Rissen ist ein neuer Putzaufbau nötig.
- Abdeckplatte: Eine Kaminabdeckung oder Betonplatte über dem Schornsteinkopf verhindert, dass Regen von oben ins Mauerwerk zieht. Fehlt sie oder ist sie gerissen, saugt sich der Kamin regelrecht voll.
- Verkleidung: Stark verwitterte Köpfe werden oft mit Faserzementplatten, Klinkerriemchen oder Metall verkleidet – das schützt dauerhaft vor Schlagregen.
Anzeichen für einen undichten Schornstein
Achten Sie auf diese Warnsignale, am besten regelmäßig auf dem Dachboden im Bereich des Kaminzugs:
- Feuchte Ränder oder braune Flecken an Decke und Wänden rund um den Schornstein
- Weiße Salzausblühungen oder bröckelnder Putz am Mauerwerk
- Moos- und Algenbewuchs, der auf dauerhafte Feuchtigkeit hindeutet
- Ein muffiger Geruch oder sichtbar versottetes (dunkel verfärbtes) Mauerwerk
Wichtig: Feuchte Flecken müssen nicht immer von Regen kommen. Auch Kondensat oder eine sogenannte Versottung durch Abgase können Ursache sein. Zeigt sich das Problem eher innen und rund um den Zug, ziehen Sie zusätzlich den Schornsteinfeger hinzu – nicht jede Feuchtigkeit ist ein reines Dachthema.
Was kostet es, den Schornstein abzudichten?
Eine seriöse Pauschale gibt es nicht, weil Aufwand, Höhe, Material und Zugänglichkeit stark variieren. Als grobe Orientierung:
- Kleine Ausbesserungen (einzelne Fuge, Nachdichten eines Blechanschlusses) liegen im unteren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich.
- Eine komplett neue Kaminverblechung ist deutlich teurer, da Material und Handarbeit dazukommen – Bleiverblechungen sind dabei tendenziell teurer als Zink oder Aluminium.
- Ein Gerüst oder eine Hebebühne wird meist separat berechnet und kann bei schwer erreichbaren Dächern einen erheblichen Teil der Rechnung ausmachen.
Lassen Sie sich immer ein schriftliches Angebot machen und – bei größeren Arbeiten – zwei bis drei Betriebe vergleichen. Die genannten Größenordnungen sind Anhaltspunkte, keine verbindlichen Preise.
Selbst machen oder Fachbetrieb?
Eine kleine, gut erreichbare Fuge lässt sich als Notlösung kurzfristig abdichten. Eine dauerhaft dichte Einfassung ist aber Präzisionsarbeit: Die Bleche müssen exakt eingefalzt, in die Fuge eingebunden und so verlegt werden, dass das Wasser sicher abläuft. Auf einem Steildach kommt die Arbeitssicherheit hinzu. Sobald es um die richtige Verblechung, größere Höhen oder ein Steildach geht, gehört die Abdichtung in die Hände eines Dachdeckers. Reines Übersilikonieren gilt als typischer Fehler – es hält nur kurz und verdeckt das eigentliche Problem.
Vorbeugen ist günstiger als reparieren
Nehmen Sie den Kaminanschluss in Ihre regelmäßige Dachwartung auf und prüfen Sie Bleche, Fugen und Abdeckplatte auf Risse. Steht ohnehin eine Neueindeckung oder Dachsanierung an, sollten Sie die Einfassung gleich mit erneuern lassen – nachträglich ist das immer aufwendiger. So bleibt eine der heikelsten Stellen des Dachs dauerhaft dicht.
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