Dachlatten-Abstand berechnen: Lattweite, Querschnitt & Regeln
Wer sein Dach neu eindeckt oder ausbessert, stolpert schnell über eine Frage, die banal klingt und trotzdem über ein dichtes Dach entscheidet: In welchem Abstand kommen die Dachlatten auf die Sparren? Dieser Abstand heißt in der Fachsprache Lattweite. Stimmt er nicht, sitzen die Ziegel nicht sauber auf, es entstehen Fugen, und bei Wind drückt Regen unter die Deckung. Hier lesen Sie, wie die Lattweite zustande kommt, welche Latten Sie brauchen und wie Sie die Zahl der Reihen selbst überschlagen.
Konterlatte und Traglatte: zwei verschiedene Hölzer
Am Steildach liegen zwei Lagen Holz übereinander, und die werden oft verwechselt. Zuerst kommt die Konterlatte. Sie läuft in Sparrenrichtung, also von der Traufe zum First, direkt auf der Unterspannbahn. Ihre Aufgabe ist nicht das Tragen der Ziegel, sondern das Lüften: Unter der Deckung entsteht so ein Spalt, durch den Feuchtigkeit abtrocknen kann und Regenwasser, das auf die Unterspannbahn gelangt, nach unten abläuft.
Quer darüber, also waagerecht, werden die Traglatten (die eigentlichen Dachlatten) genagelt. Auf ihnen hängen die Ziegel mit ihrer Nase ein. Wenn im Alltag von Lattweite die Rede ist, ist immer der Abstand dieser waagerechten Traglatten gemeint, gemessen von Lattenoberkante zu Lattenoberkante.
Welcher Querschnitt für die Dachlatten?
Übliche Querschnitte liegen als Größenordnung bei 24 mal 48 mm, 30 mal 50 mm oder 40 mal 60 mm. Welches Maß richtig ist, hängt vor allem vom Sparrenabstand ab, weil die Latte die Last frei zwischen zwei Sparren überbrücken muss. Größerer Sparrenabstand bedeutet einen kräftigeren Querschnitt.
Wichtig ist außerdem die Güte. Tragende Dachlatten müssen sortiert sein, das regeln die Normen DIN 4074 und DIN EN 1611-1. Sie erkennen geeignete Ware an der Kennzeichnung (zum Beispiel als sortierte Dachlatte mit Güteangabe). Billige, unsortierte Latten aus dem Baumarkt mit vielen Ästen und Rissen gehören nicht unter eine Dacheindeckung. Für die genaue Zuordnung von Querschnitt und Sparrenabstand gelten die Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH); im Zweifel entscheidet der Zimmerer oder Statiker.
Wovon die Lattweite abhängt
Die Lattweite lässt sich nicht frei wählen. Sie ergibt sich aus zwei Dingen:
- Vom Ziegelmodell. Jeder Ziegel hat eine erlaubte Decklänge, meist als Spanne von einem Mindest- bis zu einem Höchstwert. Diese Werte stehen im Datenblatt des Herstellers und gelten nur für genau dieses Modell. Ein Frankfurter Pfanne verlangt eine andere Lattweite als ein Biberschwanz oder ein Flachdachziegel.
- Von der Dachneigung. Je flacher das Dach, desto stärker muss sich die Deckung überlappen, damit kein Wasser eindringt. Bei geringer Neigung rückt man die Latten deshalb enger, bleibt also näher am Mindestmaß der Decklänge. Bei steilem Dach darf man näher an das Höchstmaß gehen.
Zwei Regeln merken Sie sich am besten fest: Nie über die maximale Lattweite hinaus, sonst wird die Überdeckung zu klein und Regen läuft unter die Ziegel. Und nie unter die minimale, sonst findet die Ziegelnase keinen Halt am Höhenanschlag und der Ziegel liegt nicht plan.
So überschlagen Sie die Zahl der Reihen
Die Latten werden nicht einfach von unten nach oben mit fixem Maß durchgenagelt, sonst bleibt oben ein krummer Rest. Stattdessen teilt man die Fläche gleichmäßig auf. Das Vorgehen:
- Messen Sie die Sparrenlänge von der Traufe bis zum First (in der Dachschräge, nicht waagerecht).
- Ziehen Sie die Bereiche ab, die gesondert gelattet werden, also die erste Latte an der Traufe und die Firstlatte oben.
- Teilen Sie die verbleibende Länge durch eine gewählte Lattweite innerhalb der erlaubten Spanne. Das ergibt eine ungerade Zahl von Reihen.
- Runden Sie auf eine ganze Reihenzahl und verteilen Sie den Rest gleichmäßig, sodass jede Reihe dieselbe Lattweite bekommt und diese im erlaubten Bereich bleibt.
Ein einfaches Beispiel zeigt das Prinzip: Bleiben nach Abzug von Traufe und First rund 5,00 m Sparrenlänge, und der Ziegel erlaubt eine Decklänge zwischen 32 und 38 cm, dann passen bei 36 cm knapp 14 Felder, bei 34 cm knapp 15. Man wählt die Variante, bei der die tatsächliche Lattweite sauber in der Spanne liegt, hier also etwa 33 bis 34 cm über 15 gleiche Felder. Profis nutzen dafür ein Lattenmaß oder eine Latt-Lehre, die den Abstand direkt anreißt.
Traufe und First sind Sonderfälle
An der Traufe sitzt die erste Latte oft etwas höher (Trauflatte oder eine Ausgleichslatte), damit die unterste Ziegelreihe den gleichen Winkel bekommt wie die darüberliegenden. Am First richtet sich der Abstand der obersten Latte nach dem Firstziegel und der gewählten Firstausbildung, zum Beispiel einem Trockenfirst mit Lüftungselement. Beide Punkte plant man vor dem Durchlatten mit ein.
Häufige Fehler
- Konterlatte vergessen oder zu flach gewählt: Dann fehlt die Lüftungsebene und Feuchte staut sich unter der Deckung.
- Lattweite nach Gefühl statt nach Datenblatt: Der Ziegel liegt scheinbar, klappert aber bei Wind oder lässt Wasser durch.
- Unsortierte Latten: Reißen und brechen mit der Zeit, die Nägel verlieren Halt.
- Falsche Nagelung oder zu kurze Nägel, besonders an windexponierten Lagen, wo zusätzlich Sturmklammern nötig sind.
Selbst machen oder Fachbetrieb?
Das Ausrechnen der Lattweite kann jeder handwerklich Versierte nachvollziehen. Das Latten und Eindecken selbst findet aber in der Höhe statt, verlangt ein tragfähiges Gerüst und muss zur Statik des Dachstuhls passen. Sobald es um ein komplettes Dach, um Sparrenabstände oder um die Windsogsicherung geht, gehört die Arbeit in die Hände eines Dachdeckers oder Zimmerers. Die verbindlichen Maße stehen im Datenblatt des Ziegelherstellers und in den ZVDH-Fachregeln; behandeln Sie die Zahlen in diesem Text als Orientierung, nicht als festen Wert für Ihr Modell.
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Weiterführend: Dachrinne dimensionieren
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