Sicherheitsdachhaken & Trittstufen: Pflicht, Kosten & Montage
Der Schornsteinfeger klingelt, will aufs Dach, und findet keinen sicheren Weg zum Schornstein. In so einem Fall darf er das Besteigen verweigern. Dann steht die nächste Feuerstättenschau, und Sie bekommen die Aufforderung, eine Trittsicherung nachzurüsten. Genau darum geht es bei Sicherheitsdachhaken, Trittstufen und Laufrosten: Sie machen ein geneigtes Dach begehbar und sichern die Person, die dort oben arbeitet, gegen Absturz.
Sicherheitsdachhaken, Trittstufen, Laufrost: Was ist was?
Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, sind aber technisch klar getrennt.
- Sicherheitsdachhaken (nach DIN EN 517): ein fest verankerter Haken als Anschlagpunkt. Hier wird ein Seil oder die persönliche Schutzausrüstung eingehängt. Der Haken ist zum Sichern gedacht, nicht als dauerhafte Standfläche zum Laufen.
- Trittstufen und Trittflächen (nach DIN EN 516): einzelne begehbare Tritte, die auf die Lattung geschraubt werden. Sie geben festen Halt für den Fuß, etwa auf dem Weg zum Schornstein.
- Laufrost oder Laufsteg: mehrere Elemente zu einem durchgehenden Weg verbunden, sinnvoll bei längeren Strecken über die Dachfläche.
In der Praxis kombiniert man diese Teile. Die Trittstufen bilden den Weg, die Sicherheitsdachhaken die Anschlagpunkte, damit sich der Handwerker anseilen kann.
Besteht eine Pflicht?
Es gibt nicht die eine Pflicht, sondern zwei verschiedene Regelungsstränge, die man auseinanderhalten muss.
Zugang für den Schornsteinfeger
Wenn auf dem Dach ein Schornstein, ein Abgasrohr oder eine ähnliche Anlage sitzt, die regelmäßig gekehrt und geprüft wird, muss ein sicherer Zugang vorhanden sein. Das regelt die DIN 18160-5 (Einrichtungen für Schornsteinfegerarbeiten), zusammen mit der jeweiligen Landesbauordnung. Verantwortlich dafür ist der Eigentümer beziehungsweise Bauherr, nicht der Schornsteinfeger.
Ob und wie viel Trittsicherung nötig ist, hängt stark von der Dachneigung ab. Als grobe Orientierung: Bei sehr flach geneigten Dächern reicht oft die Fläche selbst, ab einer moderaten Neigung (Größenordnung um 20 Grad) werden Trittstufen bis zu einer Standfläche am Schornstein verlangt, bei steilen Dächern kommen zusätzliche Maßnahmen dazu. Die genauen Schwellenwerte sind je nach Norm-Stand und Bundesland unterschiedlich, das prüfen Sie am besten direkt mit Ihrem Bezirksschornsteinfeger.
Schutz für Handwerker
Sobald Dachdecker, Zimmerer oder andere Betriebe auf dem Dach arbeiten, greift der Arbeitsschutz. Der Arbeitgeber muss Absturzsicherungen stellen, dazu gehören auch fest installierte Anschlagpunkte, an denen sich die Leute anseilen. Für einen normalen Hausbesitzer ist das erst einmal nicht die eigene Pflicht, aber viele Betriebe montieren bei einer Dachsanierung gleich Sicherheitsdachhaken mit, weil sie diese für spätere Arbeiten selbst brauchen.
Kurz gesagt: Die Trittsicherung für den Schornsteinfeger ist Sache des Eigentümers. Die Absturzsicherung für arbeitende Handwerker ist Sache des jeweiligen Betriebs. Beides landet häufig auf demselben Dach.
Anordnung: Wo kommen die Teile hin?
Ein durchdachter Weg beginnt an einer gut erreichbaren Stelle, meist dort, wo die Leiter angelegt oder das Dachausstiegsfenster erreicht wird. Von dort führen die Trittstufen möglichst geradlinig zum Schornstein oder zu den Stellen, die regelmäßig gewartet werden. Am Schornstein selbst sorgt eine Standfläche dafür, dass der Schornsteinfeger sicher stehen kann.
Sicherheitsdachhaken werden so verteilt, dass die arbeitende Person jederzeit angeseilt bleiben kann, auch beim Umsetzen. Gerade auf steilen Flächen und in der Nähe der Traufe ist das entscheidend, weil dort ein Ausrutscher direkt zum Absturz führen würde.
Was kostet das?
Feste Preise gibt es nicht, weil Material, Dachdeckung und Aufwand stark schwanken. Als grobe Orientierung fürs Material:
- Ein einzelner Sicherheitsdachhaken liegt oft im Bereich von etwa 15 bis 40 Euro.
- Eine Trittstufe bewegt sich grob zwischen 20 und 50 Euro.
- Ein kompletter, sauber montierter Schornsteinfegerweg mit mehreren Tritten und Haken kommt inklusive Arbeit schnell auf einige Hundert Euro.
Teurer wird es, wenn ein Gerüst nötig ist, die Dachdeckung schwierig ist (etwa Schiefer oder Ziegel, die exakt passend eingearbeitet werden müssen) oder die Zugänglichkeit schlecht ist. Am günstigsten ist die Montage, wenn ohnehin das Dach neu gedeckt oder saniert wird, weil das Gerüst dann schon steht und der Dachdecker sowieso oben ist.
Montage und Nachrüsten
Das Entscheidende bei Trittsicherungen ist die Verankerung. Ein Sicherheitsdachhaken oder eine Trittstufe darf im Ernstfall das Gewicht eines Menschen samt Fangstoß halten. Deshalb werden diese Teile lastabtragend mit dem Tragwerk verbunden, also am Sparren oder an der Konterlattung verschraubt, nicht bloß in einen Ziegel gehängt. Ein Haken, der nur oberflächlich sitzt, ist im Zweifel gefährlicher als gar keiner, weil er Sicherheit vortäuscht.
Beim Nachrüsten müssen einzelne Ziegel oder Deckelemente entfernt, der Haken befestigt und die Stelle wieder regendicht geschlossen werden. Genau hier passieren die typischen Fehler: undichte Durchführungen, die später zu Feuchteschäden führen, oder eine Befestigung, die der Norm nicht standhält.
Ein Wort zum Selbermachen: Trittsicherungen sind sicherheitsrelevante Bauteile, und die Arbeit findet auf einem geneigten Dach in der Höhe statt. Wer nicht selbst Dachdecker ist, sollte die Montage einem Fachbetrieb überlassen. Das gilt doppelt, weil ein falsch gesetzter Haken die eigentliche Schutzfunktion aushebelt und im Schadensfall auch versicherungsrechtlich heikel wird.
Worauf Sie achten sollten
- Fragen Sie Ihren Bezirksschornsteinfeger konkret, welcher Zugang für Ihr Dach verlangt wird, bevor Sie kaufen. Das erspart Nachbesserungen.
- Achten Sie darauf, dass die verwendeten Bauteile den Normen DIN EN 516 (Trittflächen) und DIN EN 517 (Sicherheitsdachhaken) entsprechen.
- Lassen Sie Trittsicherung und Absturzsicherung zusammen planen, wenn ohnehin gearbeitet wird. Getrennte Einsätze kosten oft mehr als der gesamte Weg auf einmal.
- Dokumentieren Sie die Montage. Eine Bestätigung des Fachbetriebs über normgerechte Befestigung ist im Zweifel Gold wert.
Sie sind unsicher, ob Ihr Dach die Anforderungen erfüllt oder ob eine Nachrüstung ansteht? Ein erfahrener Dachdecker beurteilt Zustand, Neigung und Zugang vor Ort und macht Ihnen ein passendes Angebot. Über Parlak finden Sie geprüfte Fachbetriebe in Ihrer Region, die Trittsicherungen normgerecht montieren.
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